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aus: "Die BG" - Unfallversicherung in Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik 1/2004 (Seite 26 - 28)
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Seit mittlerweile 31 Jahren wenden sich die landesverbände der gewerblichen Berufsgenossenschaften mit der jährlichen Aktion "Jugend will sich-er-leben" an die Berufsschulen, um Auszubildende in Sachen Arbeitssicherheit zu sensibilisieren und zu informieren. OpeningEigentlich ein ganz normaler Tag. Der Tag erwacht. Menschen beginnen ihre Arbeit. Sei es der Dachdecker, der Kfz-Mechaniker oder die Einzelhandelsverkäuferin. Sie alle beherrschen ihren Job, machen ihn seit Jahren. Ihnen macht keiner etwas vor. Sicheres Gehen und Laufengehört dazu. Wer möchte schon den Tag mit einem Stolper-, Rutsch- oder Sturzunfall beginnen? Aber sind kleine Stolperer oder Ausrutscher nicht alltäglich? Eine übersehene Bordsteinkante oder ein lockerer Sprung von der Laderampe eines LKW? Einen Fehler macht jeder mal. Kleine Unzulänglichkeiten gehören eben zum Leben. Also, kein Grund sich gleich aufzuregen, wenn mal ein bisschen Öl auf den Werkstattboden tropft oder die Treppe zum Bahnsteig im Sprint genommen wird, weil ansonsten der Zug weg ist. Kleine Unzulänglichkeiten passieren auch im Großraumbüro. Hier arbeitet Lisa. Da wird in der Küche ein wenig Kaffee verschüttet - nicht viel, aber immerhin. Verkehrswege werden von Verpackungsmaterialien oder einer provisorisch verlegten Telefonleitung versperrt, Treppen werden hinuntergesprungen und ein Drehstuhl auch schon mal als Aufstiegshilfe entfremdet. |
![]() Aktionsplakat "Jugend will sich-er-leben" 2003 (Gestaltung: brunkdesign, Frankfurt/M.) |
"LISA" - Der FilmIn dieser Umgebung spielt das Trailervideo der diesjährigen Aktion "Jugend will sich-er-leben", die dieses Jahr thematisch in die bundesweite Aktion: "Sicherer Auftritt" eingebettet ist. Das siebenminütige Video erzählt die Geschichte von der Auszubildenden Lisa. Sie sucht verzweifelt Unterlagen, die sie ihrem Chef vorlegen muss. In dieser Situation wird sie von Ihrem Freund Tasso angerufen. Ein "guter Grund" ihre Arbeit zu vergessen und am Telefon über die letzten Urlaubsvorbereitungen zu sprechen. Es kommt wie es kommen muss: Als Lisa bemerkt, dass sie über das Telefonat fast den Termin mit ihrem Chef vergessen hat, rast sie quer durch das Büro zurück an ihren Schreibtisch und löst eine Kettenreaktion von Unfällen aus. Die oben beschriebenen "UnzuIänglichkeiten" erweisen sich jetzt als gefährliche Stolperfallen, denen zwei Kollegen zum Opfer fallen. Das Video "LISA" ist Bestandteil eines Unterrichtspaketes, das seit Beginn des neuen Schuliahres an Berufsschulen verschickt wird: Ziel ist es, die Berufsschullehrer zu gewinnen, das Thema "Arbeitssicherheit" am Beispiel der Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle im Unterricht zu behandeln. Neben dem Videofilm gehören Unterrichtskonzepte für die Lehrer und ein Faltblatt für die Schüler zum Paket der Aktionsmaterialien. Ergänzt wird das Paket durch den Internetauftritt "www.jugend-will-sich-er-leben.de" (oder: www.jwsl.de) und eine interaktive DVD. UnterrichtskonzeptMit dem Unterrichtskonzept beschreiten die Landesverbände in diesem Schuljahr neue Wege. Getragen von der Fragestellung, wie das Thema "Arbeitssicherheit" stärker und erfolgreicher als bisher in den Berufsschulunterricht hineingetragen werden kann, hat die Agentur plonsker media, Ludwigshafen, einen neuen Konzeptansatz entwickelt. |
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Berufsgenossenschaften werden die Mehrheit von Berufsschullehrern nur dann überzeugen können das Thema "Arbeitssicherheit" im Unterricht zu behandeln, wenn es den Lehrern als geschlossene und fertige Unterrichtseinheit präsentiert wird. Andernfalls müsste sich der Lehrer neben seinem Stundendeputat und den damit zusammenhängenden Vorbereitungs- und schulorganisatorischen Tätigkeiten noch mit Themen beschäftigen, die ihm von der fachlichen Seite möglicherweise vertraut sind, deren Überführung in eine konkrete Unterrichtseinheit aber einen enormen Zeitaufwand erfordert. Im Bereich der allgemeinbildenden Fächer dürfte bei vielen Lehrern zudem auch die fachliche Nähe zum Thema fehlen. Denn was hat der Deutschunterricht mit "Arbeitssicherheit" zu tun? Nichts. Allerdings nur auf den ersten Blick - wie wir noch sehen werden. |
![]() Szenenfoto Film: Auch Putzlappen müssen aufgeräumt werden |
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Daher bilden konkrete Unterrichtsstunden mit einer Länge von 45 Minuten den Ausgangspunkt unseres Unterrichtskonzeptes. Da im Unterricht entweder fachbezogene oder allgemeinbildende (Deutsch, Sport, Religion) Fächer unterrichtet werden, muss "Arbeitsschutz" also adäquat aufbereitet werden. Zudem müssen diese Inhalte in die von den Lehrern gelernte und praktizierte Unterrichtsmethodik integriert werden können. Kernstück der Methodik ist das sogenannte "Planungsgitter". Hier wird minutengenau der Unterrichtsablauf entworfen. Wer sich bisher mit diesem Details des Schulunterrichts nicht beschäftigt hat, wird erstaunt sein, mit welcher Akribie Lehrer ihren Unterricht vorbereiten. Das PlanungsgitterDazu ein Beispiel: Zunächst führt der Lehrer das Video "LISA" vor. Hier wird eindeutig und trotzdem unterhaltsam das Thema "Stolpern, Rutschen, Stürzen" in den Unterricht eingeführt. "LISA" gibt keine Verhaltensmaßnahmen vor, jongliert nicht mit dem Vorschriften- oder Regelwerk. "LISA" lädt eher zu einer Entdeckungstour ein. Nicht alles im Film Gezeigte wird kommentiert. Es braucht manchmal schon das suchende Auge des Schülers, um sicherheitswidrigem Verhalten auf die Spur zu kommen. Daher ist die Filmvorführung auch mit einer konkreten Aufgabenstellung des Lehrers verbunden werden; z.B. "Notieren Sie Situationen im Film, die zu einem Sturz führen - oder möglicherweise führen - können!" Unterrichtet der Lehrer z.B. in einer Bau-Klasse, kann er anschließend die Unterrichtseinheit U3 umsetzen. Diese ist speziell auf den Bereich Baustelle zugeschnitten. OH-Folien mit Aufnahmen von Leitern und Gerüsten erleichtern die von den Schülern zu erbringenden Transferleistungen: "Welche Sturzgefahren gibt es an meinem Arbeitsplatz?" Auch die Arbeitsblätter sind auf die jeweilige Berufsgruppe ausgerichtet. Das zur Unterrichtseinheit gehörende Arbeitsblatt A3 beispielsweise schildert folgende Situation: Addi, der Fassadenmonteur hat Werkzeug auf dem Gerüst vergessen. Eigentlich ist schon Feierabend, aber sein Meister schickt ihn noch einmal hoch auf das Gerüst, das Werkzeug zu holen. Addi will Feierabend machen. Daher muss jetzt alles schnell und unkompliziert gehen. Daraus wird nichts. Ganz im Gegenteil. Addi landet mit einem Beckenbruch im Krankenhaus. Die Schüler werden aufgefordert, diese Geschichte auf ihren eigenen Arbeitsplatz zu übertragen: "Ist das bei uns auch schon mal vorgekommen? Könnte es vorkommen? Hat es ähnliche Situationen gegeben?" |
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Videoproduktion, Unterrichtskonzepte, Arbeitsblätter und OH-Folien sind eng miteinander vernetzt. Gleiche oder ähnliche Kernaussagen und Bilder ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Materialien. In den Arbeitsblättern werden Episoden aus dem Film aufgenommen und weitergesponnen und mit Standbilder aus dem Film visualisiert. Gleiches gilt für den Internetauftritt und das Schülerfaltblatt. Der Lehrer wird über das Planungsgitter minutengenau durch den Unterricht geführt. Dabei verstehen sich die Unterlagen als Angebot, das mancher Lehrer gern annimmt. Andere werden das Planungsgitter entsprechend ihrem eigenen Unterrichtsansatz oder ihrer Klasse modifizieren. |
![]() Szenenfoto Film: Gut gelaunt springt Tom Ohnesorg die Treppe hinunter |
Arbeitssicherheit ist keine GlaubensfrageDeutlicher wird dieser Ansatz beim Unterrichtskonzept für den Religionsunterricht. Eine auf den ersten Blick an den Haaren herbeigezogene Kombination. Aber nur auf den ersten Blick, denn geht es nicht um "Glauben", sondern um das Thema "Verantwortung". Also um die Frage, welche Konsequenzen hat mein Verhalten für meine Umgebung? Die von "LISA" verursachte und nicht weggewischte Kaffeepfütze, auf der ihr Kollege ausrutscht und sich eine Verletzung des Handgelenks zuzieht, liefert hier das passende Beispiel. Und plötzlich sind wir bei einem Thema, das durchaus Platz im Religionsunterricht hat. Im Wirtschafts- und Sozialkundeunterricht wiederum dienen SRS-Unfälle als Ausgangspunkt zur Berechnung individueller und gesellschaftlicher SRS-Folgekosten. Auch das gehört zum Thema. Besonders in Zeiten, in denen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen auch an den Lohnnebenkosten hängen. Die Hinwendung zur Frage, wie und warum SRS-Unfälle vermieden werden können und sollen, wird hier unter gesellschafts- und arbeitspolitischen Gesichtspunkten diskutiert. Ein letztes Beispiel. Kernpunkt des Unterrichtskonzeptes für den Deutschunterricht ist das Ausfüllen einer BG-Unfallanzeige. Verständlich, dass die Schüler die Anzeige erst ausfüllen können, wenn sie sich eingehend mit der Unfallursache, dem Hergang und den Unfallfolgen beschäftigt haben. Dass sie sich in diesem Zusammenhang auch mit dem Thema "Bericht schreiben" auseinandersetzen, verdeutlicht noch einmal den synergetischen Ansatz des Konzeptes. Alle sollen profitieren: Die Schüler lernen stilsicheres Formulieren und sicherheitsgerechtes Verhalten, die Lehrer können fertige Unterrichtskonzepte einsetzen und verlieren nicht die Nähe zum Kernthema des Regelunterrichts, und die Berufsgenossenschaften wissen ihr Anliegen gut aufgehoben. |
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Mit den diesjährigen Unterrichtskonzepten befinden wir uns jedoch erst am Anfang. Es muss noch enger mit Lehrern zusammengearbeitet werden, um eine noch bessere Integration des Themas Arbeitssicherheit im Unterricht zu erreichen. Da auf das Feedback der Lehrerschaft großen Wert gelegt wird, wurde im Internet eine passwortgeschützte Umfrageseite eingerichtet. Das Zugangspasswort können die Lehrer den gedruckten Materialien entnehmen, die ihnen von den Landesverbänden zugeschickt werden. Um die Motivation, an der Umfrage teilzunehmen, zu erhöhen, wurde diese mit einem Gewinnspiel verknüpft. Unter allen Teilnehmern wird im Frühjahr 2004 eine Wochenendreise nach Dresden verlost - ein Besuch der Semperoper inklusive. |
![]() Szenenfoto Film: Tom fixiert ein Telefonkobel. leider falsch |
Koordination ist alles ...... meint Prof. Dr. Huber vom sportwissenschaftlichen Institut der Universität Heidelberg, der sich in einem populärwissenschaftlichen Fachbeitrag dem Thema der Körperkoordination widmet. Sein Ansatz: Wer über ausgebildete körper-koordinatorische Fähigkeiten verfügt, kann sich sicher bewegen, Stolperstellen rechtzeitig erkennen und auf unerkannte - weil versteckte - Stolperstellen im Sinne der Unfallfolgenvermeidung bestmöglich reagieren. Kinästhetische Differenzierung, räumliche Orientierung, Reaktion, Rhythmus und Gleichgewicht sind die fünf Bereiche, die sich hinter dem Oberbegriff "Koordination" verbergen. Fähigkeiten, die zwar vornehmlich in der Kindheit erlernt, die aber teilweise durchaus auch noch im Erwachsenenalter gezielt trainiert werden können. Womit wir wieder beim Unterricht mit jungen Erwachsenen in der Berufsschule sind. Denn aus seinen sportmedizinischen Kenntnissen heraus hat Prof. Huber drei Übungen entwickelt, die den Schülern die Lernfähigkeit der eigenen Koordination vor Augen führen, und die ohne große Vorbereitung, ohne Sportkleidung in iedem Klassenzimmer durchgeführt werden können. Zudem haben die Übungen starken Wettbewerbscharakter, der auf die Schüler übrigens motivierend wirkt. Der Beitrag von Professor Huber kann von jeder Berufsgenossenschaft kostenfrei nachgedruckt werden. |
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Preiswürdig ...... ist nicht nur der Sprung der Hauptdarstellerin Lisa im Film über einen herumliegenden Karton, sondern auch der Film insgesamt. Er wurde im November auf dem 15. Corporate Media Wettbewerb mit einem AWARD OF MASTER ausgezeichnet. Die DVD für die betriebliche UnterweisungsarbeitDas komplette Unterrichtspaket soll als Service gegenüber Berufsschullehrern und somit den Berufsschulen insgesamt verstanden werden. Aber auch darüber hinaus - zum Beispiel in der betrieblichen Unterweisungsarbeit - können die Unterlagen eingesetzt werden. |
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Daher wurden - und dies ist neu - sämtliche Aktionsmedien auf einer DVD zusammengefasst. Diese DVD ist speziell für die betriebliche Unterweisungsarbeit gedacht. Die Ausbildungsmeister bzw. Fachkräfte für Arbeitssicherheit profitieren doppelt davon: Sie erhalten zum einen kompetente Fachinformationen und umfassend aufbereitete didaktische Analysen. Zum anderen erhalten sie methodische Unterrichtsmodelle, die sie übernehmen oder entsprechend der betrieblichen Erfordernisse modifizieren können. Damit findet auch ein Know-how-Transfer über Unterrichtsmethodik von Lehrern zu betrieblichem Unterweisungspersonal statt. Eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die kompletten Materialien können auf der Lehrerseite des Internetauftritts www.jugend-will-sich-er-leben.de (oder: www.jwsl.de) eingesehen und als PDF-File downgeloaded werden. Thomas Plonsker Edith Münch IVBG |
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